Schnellere Heilung durch bessere Wundreinigung

Schnellere Heilung durch  bessere Wundreinigung

Steril gezüchtete Maden reinigen Wunden, die nicht heilen.

Eigentlich kann man sich das in der reinlichen Atmosphäre einer Klinik kaum vorstellen. Und doch können die kleinen unappetitlichen Tierchen – sofern sie in einem Labor steril gezüchtet worden sind – heilende Wirkung haben. Auch im Kreiskrankenhaus Rastatt werden Fliegenmaden als Medizin eingesetzt, wenn bei Patienten die Wundheilung chronisch gestört ist und der Organismus die Fähigkeit zur Selbstheilung verloren hat.

„Die Madentherapie ist eine anerkannte Behandlungsform mit nachgewiesenen Erfolgen, die auch von den Krankenkassen bezahlt wird“, berichtet Dr. Volker Mickley, Leiter des Bereichs Gefäßchirurgie im Kreiskrankenhaus Rastatt. Bei einigen chronischen Krankheiten wie Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose, Venenleiden oder Diabetes komme es häufig zu schlecht heilenden Wunden.

„Die Patienten werden mit einem speziell auf sie zugeschnittenen Therapiekonzept behandelt“, so Mickley. Etwa zehn Prozent der Patienten, deren chronische Wunden nicht abheilen, werden mit sogenannten Biobags mit den steril gezüchteten Larven behandelt. Diese Biobags sehen ähnlich aus wie Teebeutel und haben eine offenporige Membran aus Polyvinylalkohol, die das Madensekret ebenso durchlässt wie die Nährstoffe der Wunde. Die Maden reinigen die Wunde, indem sie die abgestorbenen Gewebeteile aufnehmen: sie können das viel exakter als ich mit dem Messer“, sagt der Gefäßchirurg, denn die Maden entsorgen ausschließlich abgestorbenes Gewebe, alle lebensfähigen Gewebeteile bleiben erhalten. Durch den Biobag geben die Maden ihre Verdauungssäfte an die Umgebung ab und verflüssigen abgestorbenes Gewebe, das sie anschließend in sich einsaugen. „Sie reinigen die Wunde enzymatisch, also auf chemischem Niveau“, so Mickley weiter. Die „Madenpäckchen“ sorgen nach seiner Erfahrung für eine schnellere Wundreinigung und damit auch für eine schnellere Heilung.

Die Madentherapie blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück, war zeitweise in Vergessenheit geraten und wird seit einigen Jahren in Rastatt wieder praktiziert, weiß Volker Mickley zu berichten. Wer sein „Igitt-Gefühl“ beim Anblick der Maden überwinden kann, hat nach den Erfahrungen des Gefäßchirurgen im Kreiskrankenhaus die Möglichkeit, eine schnellere Wundheilung zu erfahren.

Badische Neueste Nachrichten – Badische Presse, 22.06.2011

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